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Bindungsforschung: Als Babys angeblich keine Liebe brauchten

Wenn wir heute über Bindung sprechen und darüber, wie wichtig Liebe und Zuneigung für unsere Kinder sind, dann stammen viele dieser Erkenntnisse aus...

NHNele Hillebrandt
Mama
Bindungsforschung: Als Babys angeblich keine Liebe brauchten
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Wenn wir heute über Bindung sprechen und darüber, wie wichtig Liebe und Zuneigung für unsere Kinder sind, dann stammen viele dieser Erkenntnisse aus dem Umstand, dass es Kinder gab, die uns gezeigt haben, was passiert, wenn sie dies nicht erhalten. Wenn man sich näher mit diesem Thema befasst, stößt man auf sehr traurige und teils grausame Schicksale. Sie führen uns vor Augen, warum ein liebevoller und zugewandter Umgang mit unseren Kindern essenziell ist.

TL;DRDas Wichtigste in Kürze
  • Bindung entsteht durch Wärme und Liebe – nicht allein durch Nahrung (Harlow-Experimente 1959)
  • Säuglinge in Waisenhäusern ohne Bezugsperson zeigten Depressionen und Entwicklungsstörungen (René Spitz 1946)
  • Auch spät adoptierte Kinder können Bindungen aufbauen, haben aber häufiger Bindungsschwierigkeiten
  • Liebevolle Zuwendung ist essenziell – fehlende Bindung hat lebenslange Auswirkungen

Befriedigung von Hunger = Bindung?

Eine Zeit lang nahmen Wissenschaftler an, dass Bindung schon dann entsteht, wenn eine Mutter ihr Kind füttert. Hunger zu stillen erschien essenziell für die Entstehung von Bindung. Und klar ist, dass die Zuwendung, die ein Baby erfährt, während es von seiner Bezugsperson gefüttert wird einen starken Einfluss nimmt. Doch Bindung ist nicht abhängig von der Befriedigung von Hunger.

Deutlich machten das Experimente von Harlow & Zimmermann (1959) an Rhesusaffen. Sie trennten Rhesusaffenbabys von ihren Müttern und sperrten sie in einen Käfig, in dem diese von einer „Handtuch-“ oder „Drahtmutter“ aufgezogen wurden. Dabei handelt es sich lediglich um Gestelle, die entweder aus Draht bestanden (und somit kalt und kantig waren) oder mit einem Handtuch umspannt waren (sie waren somit weich und kuschelig). Obowhl die „Drahtmutter“ die Flasche hielt, aus der die Affen trinken konnten, klammerten sie sich an die weiche „Handtuchmutter“.

In dem folgenden Video könnt ihr Ausschnitte des Experiments sehen:

Harlow's Rhesusaffen-Experiment
YouTube

Harlow's Rhesusaffen-Experiment

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Auch unsere Kinder entwickeln tiefe Bindungen zu Personen, die sie nur selten oder nie füttern und Krabbelkinder, die allein in einem Zimmer schlafen und während des Tages häufig von ihren Eltern getrennt sind, entwickeln oft starke Bindungen zu kuscheligen Objekten, wie Teddybären oder Decken.

Dies zeigt deutlich, dass Bindung nicht einfach dann entsteht, wenn Kinder Nahrung erhalten. Bindung entsteht durch Zuwendung, durch Wärme und Liebe.

Kinder ohne Liebe

Schon 1946 beobachtete René Spitz Säuglinge in Waisenhäusern. Die Kinder wurden im Alter von drei bis zwölf Monaten von ihren Müttern dorthin gebracht und waren in einem großen Saal untergebracht. Eine Krankenschwester kümmerte sich um mindestens acht Säuglinge und es war normal, wenn die Babys den ganzen Tag in ihren Bettchen lagen und nur zur Fütterung und Körperpflege mit ihnen interagiert wurde.

Spitz beobachtete, dass diese Kinder abnahmen, weinten und sich von der Umwelt zurück zogen. Wenn es keine verlässliche Bezugsperson gab, die die Mutter ersetzte, vertiefte sich diese Depression schnell.

Dass sich solche Erfahrungen auch auf das spätere Leben auswirken, zeigten Studien später: Beobachtet wurden Kinder in einem Kinderheim mit einem guten Betreuungsschlüssen und vielfältigem Spielzeugangebot, in dem die Betreuungspersonen aber ständig wechselten (jedes Kind hatte bis zum Alter von vier einhalb Jahren durchschnittlich 50 verschiedene Bezugspersonen). Viele dieser Kinder wurden spät (nach dem vierten Lebensjahr) adoptiert. Sie entwickelten dann zwar eine tiefe Bindung zu ihren Adoptiveltern, was zeigt, dass sich eine erste Bindung auch in diesem Altern noch entwickeln kann, doch sie zeigten gleichzeitig häufig Bindungsschwierigkeiten.

Bindungsschwierigkeiten umfasste: ein übersteigertes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit von Erwachsenen, übertriebene Freundlichkeit gegenüber Unbekannten, fehlende Suche nach elterlichem Rückhalt in beängstigenden Situationen und kaum Freundschaften (Hodges & Tizard, 1989; Tizard & Rees, 1975).

Auch Adoptivkinder, die ihre ersten sechs bis acht Lebensmonate (oder länger) in verwahrlosenden rumänischen Waisenhäusern verbracht haben, zeigten diese Schwierigkeiten (O'Connor et al., 2003).

Dieser Artikle ist Teil einer Reihe zum Thema Bindung. Zur Übersicht aller Artikel und der Einleitung gelangst du hier: Bindung (Attachment)

Häufig gestellte Fragen

Nein, Experimente von Harlow & Zimmermann (1959) an Rhesusaffen zeigten: Obwohl die Nahrung von einer "Drahtmutter" kam, klammerten sich die Affenbabys an die weiche "Handtuchmutter". Bindung entsteht durch Zuwendung, Wärme und Liebe – nicht allein durch Nahrung.

René Spitz beobachtete 1946, dass Säuglinge in Waisenhäusern ohne verlässliche Bezugsperson abnahmen, weinten und sich zurückzogen. Ohne liebevolle Zuwendung vertieft sich diese Depression schnell. Das zeigt, wie essenziell emotionale Zuwendung für die Entwicklung ist.

Ja, auch spät adoptierte Kinder (nach dem vierten Lebensjahr) können tiefe Bindungen zu ihren Adoptiveltern entwickeln. Allerdings zeigen Studien, dass sie häufiger Bindungsschwierigkeiten haben, wie übersteigertes Aufmerksamkeitsbedürfnis oder Probleme bei Freundschaften.

Typische Anzeichen sind: übersteigertes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit von Erwachsenen, übertriebene Freundlichkeit gegenüber Fremden, fehlende Suche nach elterlichem Rückhalt in beängstigenden Situationen und Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen.
NH

Nele Hillebrandt

Erzieherin, Psychologin & Autorin

Ich bin Nele!

Ich bin gelernte Erzieherin, Bachelor-Psychologin und zweifache Mama. Seit über zehn Jahren schreibe ich auf Faminino über Kinderwunsch, Schwangerschaft, Baby und Familienalltag. Meine Beiträge entstehen aus eigener Erfahrung und werden um Quellen aus Forschung und Fachliteratur ergänzt.

Hier auf dem Blog findest du viele Artikel über das Mamasein und den Alltag mit Kindern. Mittlerweile geht es hier hauptsächlich um Basteln & DIY:

Ich liebe es zu basteln und kreativ zu sein! Tolle DIY-Ideen (auch für Kinder) findest du auch auf meinem Instagram-Kanal @bunterbasteln.

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